Geschichte unserer Pfarre
Wie alles begann:
Die Geschichte unserer Pfarre
Gleich nach der Landschenkung der Insel Sachsengang durch Kaiser Heinrich II. an das Kloster Weihenstephan im Jahr 1021 - erstmals urkundlich erwähnt - begannen die bayrischen Klosterbrüder eine Kirche zu Ehren ihres Schutzheiligen zu errichten.
Die Kirche St. Stephan ist das älteste sakrale Bauwerk des Marchfeldes Hier soll auch der Sitz eines Propstes gewesen sein, worauf der Name der Dorfes zurückzuführen ist. 1031 bis 1042 verlief östlich von Probstdorf die Grenze zwischen Österreich und Ungarn.
Die ersten Besiedlungsformen dürften jedoch schon sehr viel früher hier entstanden sein, da bei der Renovierung des Probstdorfer Baujuwels, der Pfarrkirche mit einer frühromanischen Apsis, eine bisher unbekannte frühgotische Unterkirche entdeckt wurde.
Neben der Pfarrkirche befinden sich 2 weitere Kapellen im Ortsgebiet. Die Markuskapelle stand ursprünglich an der B3, musste aber dem Verkehr weichen und wurde in Eigeninitiative beim Sportplatz neu errichtet. Die Familienkapelle ist an der Abzweigung der B3 nach Franzensdorf zu finden und ist heute noch Treffpunkt zu gemeinsamen Feierlichkeiten wie z.B. dem jährlichen Erntedankfest im Oktober.
Detaillierte Informationen zur Geschichte unserer Pfarre und unserer 4 Pfarrkirchen in Probstdorf, Schönau, Wittau und Oberhausen entnehmen Sie bitte unserer Broschüre/Heftchen "Die Kirchen von Probstdorf". Diese liegt zur freien Entnahme in unseren Kirchen auf. Sie können uns aber auch jederzeit ein e-mail schicken und wir senden Ihnen gerne Ihr persönliches Exemplar zu - ein Blick darauf lohnt sich!!!
Der Stephanusstein
Ansprache von Pfarrer i. R. OstR. Dr. Josef M. Klima zur Enthüllung des Stephanus – Steins auf dem Weihenstephansplatz in Probstdorf am 26. Oktober 2004
Verehrte Festgäste !
Ich soll ein paar Worte sagen, wie es zu diesem Stein gekommen ist. Bald nach den großen Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 1971 (950 Jahre Probstdorf) tauchte die Idee auf, mitten im Ort, in der Nähe der Stephanus – Kirche, ein Zeichen zu setzen. Mit einigen kurzen Hinweisen. Für die Ortsbewohner und Pfarrangehörigen zur ständigen Erinnerung daran, daß sie Glieder einer Kette sind, die 1000 Jahre zurückreicht, und daß sie Nachkommen und Erben von 30 Generationen sind. Für Gäste, Besucher und Touristen eine kleine Info, die aufmerksam macht, auf welch bedeutsamem Boden sie sich befinden, die ihnen den merkwürdigen Namen dieses Platzes erklärt und die ihnen – vielleicht ! – Appetit macht , ein bißchen mehr zu erfahren. Wie gesagt: Das war die erste Idee vor etwa 30 Jahren.
Wie es so geht: In der Zwischenzeit gab es wichtigere und notwendigere Dinge zu tun, aber der Gedanke kehrte immer wieder und erhielt plötzlich neue Schubkraft, als die Arbeiten an der neuen Ortsstraße begannen. Plötzlich war klar, wo der Standort für dieses Zeichen sein soll, aus welchem Material dieses Zeichen sein soll, welchen Namen dieses Zeichen tragen soll. Auf einmal war auch das Geld für die Anschaffung da. Sie wissen es alle schon: das Zeichen, von dem ich rede, ist ein Stein und trägt – weiter nicht verwunderlich – den Namen „Stephanus – Stein“, - als Reverenz an den Patron der Pfarrkirche und der gesamten Pfarre. Zum Stein: In dieser Schwemmlandschaft des Marchfeldes ist jeder größere Stein ein Fremdkörper, der sofort auffällt. Insofern könnte das Material für das Zeichen gar nicht besser gewählt sein. Es soll ja immer wieder auffallen und aufmerksam machen. Zum Namen ‚Stephanus – Stein‘: Nehmen wir das Wort „Stephanus“ einmal nicht als Heiligennamen, sondern einfach als griechisches Vokabel: „mit einem Ehrenkranz geschmückt“. Und in der Tat ist der Platz, auf dem der Stein steht, mit einigen Ehrenkränzen geschmückt.
1. Mit dem Ehrenkranz einer vornehmen Abstammung. Vor tausend Jahren war das Gebiet von Melk donauabwärts ein verwüstetes und entvölkertes Land. Es gab einige Siedlungsreste, deren heutige Namen Klosterneuburg, Wien, Orth und Preßburg sind. Und dazwischen war wenig bis nichts. Um dieses östlichste Gebiet des Frankenreiches zu ordnen, machte Kaiser Heinrich II. aus der Landmasse überschaubare Portionen und verschenkte diese Portionen an verschiedene Klöster. Das waren damals die Kulturträger und befanden sich hauptsächlich im bayerischen Raum. So erhielt das Kloster Weihenstephan bei Freising am 14. November 1021 ein Riesengebiet geschenkt. Der Chef des Klosters, Propst Arnold, gründete sehr bald danach einen Stützpunkt. Dieses „Dorf des Propstes Arnold“ ist Probstdorf und der Titelheilige der Kirche, die bald darauf errichtet wurde, war der Patron des Gründungsklosters: Stephanus. Stephanus: mit einem Ehrenkranz geschmückt.
2. Mit dem Ehrenkranz einer langen und bedeutenden Geschichte. Diese ist im Wesentlichen mit den Inhabern der Pfarre verknüpft. Die Reihe der namentlich bekannten Pfarrer beginnt im Jahre 1196 und der derzeitige Pfarrer, Monsignore Schüller, ist der 74. in fast ununterbrochener Reihenfolge. Es gibt keine andere andere Pfarre in Niederösterreich, die auf eine derart prominente Ahnengalerie zurückblicken kann. Bischöfe – Grafen – Domherren – Pröpste – Rektoren der Wiener Universität – Doktoren – Professoren – Magister – Kanoniker – und sogar ein Generalvikar waren hier als Seelsorger tätig. Ich möchte aus der langen Reihe nur einen kurz herausgreifen und zwar deshalb, weil die Hauptstraße des Ortes seinen Namen trägt. Er ist der 57. Pfarrer von Probstdorf, Propst Dr. Marcus Antonius Wittola (Pfarrer von 1774 bis1797). Er war enger Vertrauter der Kaiserin Maria Theresia. Er war maßgeblich an der Ausarbeitung des sogenannten „Toleranzpatents“ von 1781 beteiligt, das den protestantischen Christen die Religionsfreiheit gab. Auch die Pfarr – und Dekanatseinteilung der Erzdiözese Wien und der Diözesen St. Pölten und Linz, die zum größten Teil noch heute gilt, trägt seine Handschrift. Auf grund der Nachhaltigkeit seines Tuns ist die Ehrung durch einen Straßennamen sowieso eher bescheiden. Stephanus: mit einem Ehrenkranz geschmückt.
3. Mit dem Ehrenkranz eines einzigartigen Kirchenbaues. Spuren des frühestens Holzbaues aus der Gründungszeit wurden bei der letzten Innenrenovierung freigelegt: rund 980 Jahre. Heute existiert noch
- das romanische Langhaus: rund 850 Jahre
- der hochgotische Chor mit Krypta: rund 720 Jahre
- der spätgotische Sakristeianbau aus 1418: exakt 586 Jahre
- die barocke Einwölbung und die beiden Seitenkapellen aus 1700: exakt 304 Jahre
- der Wehrturm: exakt 200 Jahre
Ein romanisches Beinhaus (Karner) mit einem Alter von etwa 800 Jahren wurde 1996 an der Kirchenmauer aussen freigelegt, vermessen und wieder zugeschüttet. Der runde Grundriss ist mit Pflastersteinen gekennzeichnet. Daneben birgt die Kirche noch einige Geheimnisse wie die noch nicht erforschte Chorkrypta. Die Untersuchungen der vielen Skelette, die unter dem Kirchenboden im Langhaus gefunden wurden, stehen noch aus. Ein Geheimnis haben die Forscher schon vor 30 Jahren gelüftet.
Das Geheimnis der leicht verschobenen Kirchenachse. So wie alle alten Kirchen ist auch die Probstdorfer Kirche geostet, d.h. der Altarraum (Chor) schaut genau nach Osten. Aber nicht zu 100 Prozent. Das ist keine Schlamperei, kein Unvermögen, sondern: Genau am Stephanstag, dem 26. Dezember, ein paar Tage nach der Wintersonnenwende sollen die Strahlen der aufgehenden Sonne genau durch das Mittelfenster fallen. Christus das Licht ! (Der später aufgestellte barocke Hochaltar verdeckt dieses Mittelfenster allerdings) Damit bin ich schon am Ende meiner Worte. Ich habe rund achteinhalb Minuten gesprochen. Für fast tausend Jahre Geschichte ist das aber wohl nicht zu lange.
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